Einsamkeit – Ein ungeliebtes Gefühl

Einsamkeit

Bevor ich wusste, dass es für dieses Gefühl einen Ausdruck gibt, konnte ich es fühlen. Seit meiner Kindheit kenne ich die Einsamkeit. Sie begleitet, mich wie eine Freundin, die mal länger und kürzer in meinem Leben verweilt. Sie kündigt sich nicht an und stört eher, als zu gefallen.

Mit den Jahren hatten wir es geschafft uns auseinanderzuleben und ich entwickelte eine große Abneigung gegen sie. Wenn sie wieder vorbei schaute, tat ich alles um mich nicht mit ihr befassen zu müssen. Ich lenkte mich ab, ging fast täglich aus, stürzte mich ins Nachtleben, ertrank die Enge mit Alkohol und ließ mich vom Fernsehen ablenken.

Egal, was auch immer ich unternahm, sie klopfte immer wieder an meine Türe und legte sich wie ein Nebel über mein Herz. Ich war nicht alleine, doch ich litt an Einsamkeit.

Alles Große, das Menschen je geleistet haben, geht aus der Einsamkeit, aus der Vertiefung geistigen Schauens hervor.

Peter Rosegger

Dieses tiefe Gefühl, wofür ich nicht einmal die richtigen Worte finden kann, um es zu beschreiben, wird gerne mit dem Alleinsein verwechselt. Doch das Alleinsein ist ein objektiver Zustand und die Einsamkeit ist ein individuelles Gefühl, welches auch in Gesellschaft, mit dem Partner*in oder einer Gemeinschaft vorkommen kann. Zweisam einsam kommt sehr oft vor und auch ich litt an Einsamkeit in vergangenen Beziehungen und in meiner Familie.

Nach Jahren, die ich damit verbrachte mich von diesem Gefühl ablenken zu lassen, habe ich – angeregt durch eine Therapie – mich dem Gefühl hingewendet und es angefangen zu fühlen. Ich fühlte die stillen Momente meiner Kindheit, die Situationen während ich Erwachsen wurde und die vielen Stunden, die ich einsam in Berlin verbrachte.

Ich habe fühlen dürfen, dass die Einsamkeit ein Teil von mir ist, den ich nie abschneiden oder loswerden kann. Als ich dies verstand und der Einsamkeit den Raum gegeben habe sich zu zeigen, kam sie immer seltener in mein Leben, um mich daran zu erinnern, dass ich Leben darf.

Vor einigen Jahren sah ich eine Aufzeichnung von TED-Talk mit Dr. Jill B. Taylor. Sie sprach so anschaulich und voller Leidenschaft über das menschliche Gehirn und ihrem Schlaganfall, dass ich mir daraufhin ihr Buch «Mit einem Schlag: Wie eine Hirnforscherin durch ihren Schlaganfall neue Dimensionen des Bewusstseins entdeckt» bestellte und es mich beim Lesen genauso fesselte, wie schon ihr Vortrag.

Sie spricht auch davon, dass wenn ein Mensch eine unangenehme Reaktion auf etwas in der Umgebung hat, dieser emotionale Prozess 90 Sekunden anhält, bis das unangenehme Gefühl wieder vergeht. Ausser man wiederholt den Gedanken ständig neu und erzeugt somit eine Dauerschleife des eigenen Leids.

Ich bin heute davon überzeugt, dass Gefühle gefühlt werden wollen. Sie sind ein Teil unseres Seins. Wenn wir nicht nur die Sonnenseiten im Leben zulassen, sondern auch die Schattenseiten in uns beleuchtet werden, entsteht immer wieder ein Gleichgewicht im Leben.

Was wäre das Leben ohne Sonne und Regen, Schwarz und Weiss, Zucker und Salz, Liebe und Abneigung? Würden wir dann die Sonnenseiten geniessen, wenn wir die Schattenseiten nicht kennen würden? Würden wir den Moment mit Herzmenschen geniessen, wenn wir die Einsamkeit nicht kennen würden?

Mit meiner zauberhaften Schwester spreche ich über die Einsamkeit und unsere Erfahrung mit dem abgewehrten Gefühl. Wir wünschen viele Erkenntnisse beim Hören.

Herzlichst,
Sofia & Tünde

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Weiterführende Informationen

GEDICHT
Hermann Hesse: Im Nebel

90 SEKUNDEN REGEL nach Jill B. Taylor

BRIGITTE Online: Aufbrausend? Mit der 90-Sekunden-Regel kriegst du deine Gefühle endlich in den Griff

VISION: Im Garten des Denkens

WUNDER DER BERÜHRUNG

Übung: Brust reiben oder klopfen

QUARKS: Darum sind Berührungen so wichtig

HANDELSBLATT: Gestresst? Eine einfache Umarmung kann Wunder wirken

LACHEN «Freudehormone fressen Kampfhormone» Vera F. Birkenbihl

BERLINER MORGENPOST: «60 Sekunden Lachen» – Diese Frau wird bei Facebook gefeiert

https://www.sonntagsblatt.de/artikel/meinung/die-wissenschaft-vom-gelaechter-oder-60-sekunden

MORPHOGENETISCHE FELD

SPEKTRUM: Morphogenetisches Feld

Rupert Sheldrake: Einführung zu Rupert Sheldrake

BUCH-TIPPS

Jill B. Taylor: Mit einem Schlag
John T. Cacioppo: Einsamkeit – Woher sie kommt, was sie bewirkt, wie man ihr entrinnt
Rupert Sheldrake: Das schöpferische Universum

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